Bernt Notke: Fragment aus dem Totentanz in der Nikolai Kirche in Tallinn

Definition und Auswahlkriterien

Das Verzeichnis der Totentänze wurde mit dem Ziel erstellt, zu Gunsten der vorliegenden Forschungsarbeit eine Übersicht über alle zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert geschaffenen Totentänze – den Quellenkorpus – zu erhalten. Außerdem sollte das Verzeichnis Anhaltspunkte zur geographischen Verbreitung des Genres liefern, und als arbeitstechnisches Hilfsmittel dienen, näher zu untersuchende Totentänze zu identifizieren, die für die Entwicklung des Gesamtgenres prägend waren.

Als Grundlage für die Zusammenstellung des Verzeichnisses der Totentänze musste der Totentanz morphologisch definiert werden, um ihn von verwandten und ähnlichen Motiven der Kunst- und Literatur abgrenzen zu können. Die Definition lautet wie folgt:

Der Totentanz ist ein Kunstmotiv, bei dem eine Vielzahl verschiedener, aber grundsätzlich gleichartig konfigurierter Szenen als kohärentes Gesamtwerk auftreten. Die Grundkonfiguration der Szenen besteht in der Darstellung der Begegnung einer Todesfigur mit einem Menschen (der meist einen ganzen Stand oder eine ganze Berufsgruppe repräsentiert) in dessen unmittelbar durch die dargestellte Begegnung eingeleiteten letzten Momenten irdischen Lebens.

Diese Definition und die Zielsetzungen für das Verzeichnis bestimmten die Entscheidung, welche Werke in die Liste aufgenommen wurden, und welche Hintergrundinformationen in welchem Umfang nachgesucht wurden. Höchste Priorität genoss das Streben, eine vollständige Liste von Totentanzwerken, deren (ehemalige) Existenz verifizierbar ist, zu erstellen. Außerdem war es sehr wichtig zu inventarisieren, in welchem Zustand sich die Werke befinden, und ob sie dem Forscher zugänglich sind.
Die vollständige Erfassung äußerlicher formaler Kriterien, wie beispielsweise Format und Abmessung der Werke, oder auch eine vollständige Katalogisierung bestehender Sekundärliteratur zu jedem Totentanzwerk wurde hingegen nicht verfolgt. Dies wäre angesichts der großen Zahl der Einträge im Verzeichnis im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich gewesen.

Für weitere Information zu Definition und Auswahlkriterien verweise ich gerne auf die Dissertation „Der Totentanz – ein Motiv der kirchlichen Kunst als Projektionsfläche für profane Botschaften (1425-1650)”, Seiten 27-32.